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Wettercams & Co. in der Firma: Darauf sollten Sie achten

Wettercams & Co. in der Firma: Darauf sollten Sie achten

Häufig ist überhaupt kein böser Wille dabei, wenn Unternehmen aktiv werden und personenbezogene Daten falsch verarbeiten. Vielmehr will man beispielsweise auch Mitarbeitern etwas Gutes tun oder das (Arbeits-)Leben leichter machen. Daher kommen überall dort, wo es voller wird, wo es Staus gibt oder wo das Wetter eine Rolle spielt, gerne Kameras oder Webcams mit Liveübertragung zum Einsatz.

Über den Autor

Mehr als 12 Jahre Berufserfahrung als Vollzeit-Datenschützer im Unternehmen. Darüber hinaus ist er seit vielen Jahren als Chefredakteur von "Datenschutz aktuell" tätig und zeigt seinen Lesern wie sich Datenschutz pragmatisch umsetzen lässt.

Es gibt verschiedenste Einsatzvarianten

Sie denken, dass in Ihrem Unternehmen eine „Cam mit Live View“ nie zum Einsatz kommen wird? Hier sollten Sie sich nicht zu sicher sein. Schließlich gibt es die unterschiedlichsten Einsatzszenarien. Denken Sie etwa an die Cam in der Kantine. Mit einem Blick ins Intranet wird schnell deutlich, wie voll es ist und ob es sich gerade an der Essensausgabe staut. Vielleicht gibt es irgendwann auch eine Baustelle, über deren Fortschritt sich jeder Mitarbeiter per Live View im Intranet ein Bild machen können soll. Auch eine Wetter- oder Parkplatzcam kann aus Sicht der Unternehmensleitung oder der Mitarbeiter eine ziemlich praktische Sache sein.

Werden Sie nicht zum Spielverderber

Werden Sie einmal mit dem Wunsch konfrontiert, eine solche Kamera aufzustellen, sollten Sie auf keinen Fall sofort sagen, dass das wegen des Datenschutzes nicht gehe. In den seltensten Fällen sind Sachverhalte unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten so klar, dass Sie sofort mit einem Ja oder Nein antworten können. Sie müssen die Sache genau unter die Lupe nehmen, die datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen aufzeigen und nach Möglichkeit eine Empfehlung geben, wie das Vorhaben datenschutzgerecht umgesetzt werden kann.

Will man eine Webcam einrichten, sollten Sie die folgenden Aspekte klären:

  • Welche Absicht verfolgt man mit der Kamera? Zu welchem Zweck soll sie eingesetzt werden?
    Diese Frage ist besonders relevant, wenn es darum geht, eine Rechtsgrundlage für die Verarbeitung der personenbezogenen Daten auszumachen. In Betracht kommen insbesondere § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 Bundesdatenschutzgesetz und Art. 6 Abs. 1 Buchst. f Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
  • Wer wird auf den Bildern erkennbar sein?
    Achten Sie zunächst auf die Auflösung. HD-Qualität geht nicht. Die Auflösung sollte möglichst gering sein, damit weniger in das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen eingegriffen wird. Je weniger erkennbar ist, desto besser.
  • Sind Personen identifizierbar?
    Trotz geringer Auflösung bleiben die Bilddaten personenbeziehbar. Hierfür kann auch eine Erkennbarkeit aufgrund Statur oder anderer typischer Merkmale ausreichen.
  • Werden Bereiche erfasst, in denen sich Mitarbeiter dauerhaft aufhalten?
    Dieser Aspekt muss etwa in die Erforderlichkeitsprüfung bzw. in die Interessenabwägung einfließen. Ein Beobachten oder Überwachen muss ausgeschlossen sein.
  • Ist ein wirklicher Live-Stream notwendig oder reichen auch Einzelbilder?
    Standbilder, die etwa im Abstand von Stunden gemacht und ins Intranet übertragen werden, reichen etwa für Wetter- oder Baustellencams vollkommen aus.
  • Wie wird über den Einsatz der Kamera informiert?
    Nur im Intranet darauf hinzuweisen, reicht nicht. Denken Sie an die Erkennbarkeit für Nichtinformierte, etwa an das Hinweisschild vor Betreten des Erfassungsbereichs.
  • Wurde eine Risikoanalyse durchgeführt und sind Schutzmaßnahmen ergriffen worden?
    Einfach eine Kamera zu kaufen und einzuschalten, geht nicht. Es braucht angemessene Schutzmaßnahmen. Hierzu muss es auch eine Risikoanalyse geben (vgl. Art. 32 DSGVO).
  • Ist eine Datenschutz-Folgenabschätzung durchgeführt worden?
    Bestehen voraussichtlich hohe Risiken für die Rechte und Freiheiten der Betroffenen, ist eine Folgenabschätzung unerlässlich (Art. 35 DSGVO).

Bildquelle: Fotolia | #186918647

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